Spielräume für alle Generationen
Spiel ist Ausdruck von Lebensfreude und Entwicklung von Menschen jeder Altersstufe. Kreativität, Spontaneität, das Überwinden eigener Grenzen, zweckfreie Kontaktaufnahme zu Menschen und zur Natur, Regeneration, all das und vieles mehr ist „Spielen“.
Alle Menschen benötigen Spielräume in denen Sein und Erleben - und nicht Leistung - im Vordergrund stehen. Spielbedürfnisse sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen selbst.
Doch bei Spielflächen denken viele immer noch zuerst an traditionell angelegte, abgegrenzte Spielplätze, nutzbar für Kinder bis 12 Jahre.
Es gibt weit mehr Flächen, die zum Spielen einladen und entsprechend planerisch entwickelt werden können. Fußwege laden durch strukturierte Beläge zu Geschicklichkeitsspielen ein. Mauern und Wegebegrenzungen werden zum Balancieren genutzt. Gewässer verleiten zur Kontaktaufnahme mit dem kühlen Nass. Skulpturen und Bäume fordern zum Klettern heraus. Hier werden Flächen nicht gemäß ihrer originären Bestimmung sondern experimentell genutzt. Derartige Aktionen setzen kreative Kräfte frei, die unsere Gesellschaft dringend benötigt. Die spielerische Nutzung von Räumen sollte daher bei allen Planungen bedacht werden.
Ein Umdenken bei den Verantwortlichen ist vielerorts bereits schon zu beobachten. Statt monofunktionale Flächen einzurichten wird heute versucht, multifunktional nutzbare Raumstrukturen zu entwickeln.
Die größten Einschränkungen erfährt das Spiel im Freien nach wie vor durch den Verkehr. Gezwungenermaßen müssen die Menschen hier ständig darauf achten, Regeln einzuhalten, um Gefahren für sich abzuwenden. Spiel aber benötigt die volle Aufmerksamkeit.
Aus diesem Grunde macht es Sinn, als Gegengewicht zu diesen Zwängen Flächen auszuweisen, die ausschließlich dem Spiel dienen sollen. Doch warum muss es sich hierbei ausschließlich um Spielflächen für Kinder handeln?
Im Zuge der demografischen Entwicklung kam in den letzten Jahren, von vielen belächelt, der Begriff „Seniorenspielplatz“ auf, ausgestattet mit Fitnessgeräten für Ältere und nutzbar für Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten. Erkennen wir doch endlich Spielen als etwas Lebensnotwendiges an. Geben wir das Schubladendenken auf und entwickeln wir differenzierte Spielanlagen mit Themen- bzw. Nutzungsschwerpunkten für alle Generationen.
Städtische Parks bieten schon immer ein buntes Bild an Menschen aller Altersklassen und Generationen. Hier grillt die türkische Familie neben einer Gruppe Jugendlicher, während Freizeitjogger die Wege bevölkern und Andere auf Parkbänken die Sonne genießen.
Wenn wir die Idee der Gleichberechtigung im öffentlichen Raum konsequent weiterdenken, so müssen wir die derzeit praktizierte Trennung von Spielangeboten nach Altersklassen zugunsten von Generationenspielanlagen immer wieder in Frage stellen und für jede neue Planungsaufgabe individuell beantworten. Dies stellt eine hohe Anforderung an die Planung, denn eine Aufhebung der Altersklassenzuweisung darf nicht zu einer Verdrängung der Schwächeren und Ruhebedürftigen führen.
Das Angebot von Wasserspielbereichen bietet hervorragende Voraussetzungen für ein mulikulturelles Miteinander von Jung und Alt.
Auch Kletteranlagen können so konzipiert werden, dass sie schon von den Kleinsten gefahrlos bekrabbelt werden können, während für Jugendliche und Erwachsene attraktive Schwierigkeitsgrade angeboten werden.
Doch gerade die als Senioren bezeichnete Bevölkerungsgruppe hat von klein auf lernen müssen, sich in der Öffentlichkeit „zu benehmen“. Eine gute Planung alleine reicht nicht aus, diese Gruppe zu öffentlichem Spielen zu veranlassen, solange „Omas“ auf Schaukeln und Karussellen von vielen ausgelacht werden. Eine allgemeine Diskussion zum Spielverhalten älterer Menschen ist daher sehr zu begrüßen. Diese führt hoffentlich zu mehr Selbstbewusstsein bei den Senioren selbst sowie zu dem geänderten allgemeinen Bewusstsein dahingehend, dass der Wunsch nach Spielen altersunabhängig ist.